Unsere Geschichte
Seit 1894 in Bozen
Von den Bürgersälen der Handelsstadt über das faschistische Verbot bis zur Walthariburg im Kulturheim Gries. Eine Geschichte von Freundschaft, die selbst Kriege und Verbote überdauert hat.
Ein Überblick
Mehr als 125 Jahre schlaraffisches Spiel
Was 1859 in Prag begann, erreichte 1894 Bozen. Seither pflegt unser Reych Pons Drusi die Ideale von Kunst, Freundschaft und Humor, durch bewegte Zeiten hindurch.
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Am 10. Oktober 1859 entsteht in Prag, damals Österreich-Ungarn, das Urschlaraffenreych. Prag gilt deshalb bis heute als Allmutter. Rund um das Prager Theater hatte sich ein reges künstlerisches Leben entwickelt. Als ein Theaterfreund bei einem Aufnahmeantrag abschätzig als Proletarier betitelt wurde, gründeten jüngere Schauspieler, Musiker und Künstler aus Protest den Proletarier-Club.
Es war der Opernsänger Albert Eilers, der seine Mitstreiter aufforderte, treu und fest zusammenzuhalten. In diesem Moment war Schlaraffia geboren. Man sang, musizierte und hielt literarische Vorträge, nahm dabei Eitelkeiten und Lächerliches aufs Korn. So entstand das humorvolle Ritterspiel, dessen Zweck bis heute die Pflege von Kunst und Humor unter Hochhaltung der Freundschaft ist.
1859
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Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Teil des 14. k. k. Infanterieregiments nach Bozen verlegt. Darunter waren vier Offiziere aus Innsbruck und Linz, die bereits Schlaraffen waren. Sie warben in der Bozner Bürgerschaft erfolgreich für das schlaraffische Spiel und trafen sich zunächst in der Defreggerstube am heutigen Waltherplatz. Bald war beschlossen, dem Uhu in Bozen ein Nest zu bauen.
Am 13. Dezember 1894 fand in den Bürgersälen der Stadt die Gründungssippung statt. Der Name Pons Drusi verweist auf Drusus und Tiberius, die Stiefsöhne des Kaisers Augustus, die 15 vor Christus den Alpenraum eroberten. Ein besonderes Augenmerk galt der heimatlichen Kultur, weshalb Walther von der Vogelweide zum Schirmherrn erkoren wurde. Die junge Schlaraffia stand bald im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.
1894
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Der Erste Weltkrieg brachte eine tiefgreifende Zäsur. Etwa die Hälfte der Pons Drusen musste die Schlaraffenrüstung mit dem Waffenrock des Kaisers vertauschen und ins Feld ziehen. Trotzdem fanden immer wieder Sippungen statt, sogar in den Gefangenenlagern in Sibirien wurde gesippt.
Nach Kriegsende entstand eine völlig neue Situation. Das Habsburgerreich war zusammengebrochen, Tirol wurde geteilt und Südtirol kam zu Italien. Das Tochterreych Tridentina in Trient löste sich auf, da es dort keine deutschsprachige Beamtenschaft mehr gab. Für Pons Drusi wurden die Kontakte zu den anderen Reychen schwierig.
1914
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Mit der Machtübernahme des Faschismus 1922 kam größeres Unheil. Erklärtes Ziel war es, alles Deutsche auszurotten. Die Parteizeitung Il Brennero erhob unglaubliche Anschuldigungen gegen die Eulen der Bozner Loge. Stein des Anstoßes war vor allem die grenzüberschreitende Verbindung eines deutschsprachigen Vereins. 1925 wurde Pons Drusi aus den Bürgersälen geworfen und stand erstmals ohne Burg da.
1926 gelang es zwar, im Gasthof Grotte in der Gerbergasse eine eigene Burg zu erstehen. Doch schon nach wenigen Sippungen wurde sie per Dekret des faschistischen Präfekten beschlagnahmt und das Reych behördlich aufgelöst. Von da an lebte Pons Drusi nur noch im Untergrund weiter, in den Heimburgen der Schlaraffen. Dennoch wurden sogar drei Junker in den Bund aufgenommen, die den Ritterschlag im Mutterreych Oenipontana erhielten.
1926
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Schon im Sommer 1945 gab es wieder erste Zusammenkünfte, doch die Unsicherheit war groß. 1948 traf unser Ritter Tarif der Zollfreie den durch Bozen reisenden Kantzler Ritter Raus mit der blanken Klinge aus dem Reych Turicensis in Zürich. Gemeinsam beschloss man, den Kontakt zur schlaraffischen Welt wieder aufzunehmen.
Turicensis und der Helvetische Landesverband wirkten tatkräftig am Wiederaufbau mit. Pons Drusi wurde als fünftes Reych in den helvetischen Landesverband aufgenommen. Die Obhut eines neutralen Staates war ein großer Vorteil, denn Verbindungen nach Deutschland und Österreich wurden in der Nachkriegszeit mit Argwohn betrachtet. Später gehörten namhafte Künstler wie der Maler Albert Stolz und der Bildhauer Hans Plangger zu den Sassen. Das 75. Stiftungsfest wurde 1969 auf Schloss Runkelstein gefeiert.
1948
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Nach häufigem Burgwechsel, unter anderem im Gasthof Grotte, im Hotel Laurin und auf Runkelstein, konnte 1978 die neue Walthariburg auf der Haselburg in Haslach bezogen werden. Zwanzig Jahre lang stand dort der Rittersaal aus dem 16. Jahrhundert mit den Fresken von Dill Riemenschneider zur Verfügung.
Weitgereiste Ritter bestätigten, dass es sich um die originellste Burg des ganzen Uhuversums handle. Mit dem Verkauf der Burg begann jedoch erneut die Suche nach einer Heimstätte.
1978
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Seit vielen Jahren steht der Schlaraffia eine neue Heimstätte im Kulturheim Gries zur Verfügung. Bereits 1986 feierten hier Freunde aus rund 30 Reychen die 2000. Sippung. Auch wenn der Raum nur einmal in der Woche genutzt wird, sorgen der mechanisch verstellbare Thron, gebaut von Ritter Empfauquadrat, und die verstellbare Kulisse von Ritter Rumpelstilz für echte schlaraffische Atmosphäre.
Hier sippt die Pons Drusi jeden Donnerstag von Oktober bis Ende April. Immer reiten Freunde aus anderen Reychen ein und beleben das schlaraffische Spiel. Über 125 Jahre nach der Gründung ist die Grundidee dieselbe geblieben: harmlose Heiterkeit und Freude als froher Gegenpol zum Alltag.
Heute
Unser Schirmherr
“Der uns fröide wider bræhte, diu rehte und gefüege wære.“
“Der uns die Freude wiederbrächte, die echt und wohltuend wäre.”
Walther von der Vogelweide,
Schirmherr der Pons Drusi
Am Thron
Wo das Spiel seinen Mittelpunkt hat
Im Zentrum jeder Sippung steht der Thron. Dort leitet der fungierende Oberschlaraffe, ehrfürchtig Eure Herrlichkeit genannt, mit Weisheit und Augenzwinkern durch den Abend.
Er eröffnet und beschließt die Sippung und wacht über den guten Ton. Zur Rechten sitzt der Kantzler, zur Linken der Marschall. So viel sei verraten, alles Weitere erlebst du am besten selbst.
Gelebte Chronik
Unsere Schmierbücher, von 1905 bis heute
Ein Schmierbuch ist unser Gästebuch. Die eingerittenen Ritter aus nah und fern verewigen sich darin mit ihrer Unterschrift und oft auch mit einer Schmierung, einer humorvollen Zeichnung oder einem Vers. So wird jedes Buch zu einem lebendigen Zeugnis der Freundschaft über die Reyche hinweg.
Dem Pons Drusi ist es gelungen, alle im Archiv erhaltenen Schmierbücher zu digitalisieren, vom ersten Band aus dem Jahr 1905 bis zum heutigen Tag. Elf Bände stehen frei zum Blättern und Herunterladen bereit. Ein Blick in mehr als hundert Jahre gelebter schlaraffischer Freundschaft.
Werde Teil der Geschichte
Die schönste Fortsetzung schreiben wir mit dir
Über 125 Jahre Freundschaft, und die Runde freut sich auf neue Gesichter.
Komm an einem Donnerstag als Gast vorbei.